Als akute Bronchitis wird eine neu entstandene Entzündung der größeren verzweigten Atemwege - der Bronchien - mit Husten, Schleimproduktion und Fieber sowie weiteren Allgemeinsymptomen bezeichnet. Wenn - wie das häufig der Fall ist - auch die Luftröhre mit betroffen ist, spricht man von einer akuten Tracheobronchitis.
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Die Diagnose einer akuten Bronchitis ist eine der meistgestellten Diagnosen in Allgemeinpraxen, obwohl bezüglich Definition und Pathophysiologie oft Unklarheiten bestehen. Besser wäre meistens die Diagnose: akuter Atemwegsinfekt, da in der Regel nicht nur die Bronchien, sondern auch andere Teile der Atemwege betroffen sind.
Ein Grund für die häufige Diagnose ist die unreflektierte Zusammenfassung verschiedener Krankheitsbilder unter diesem Begriff. Da klare krankheitsspezifsche Symptome ebenso wie richtungsweisende Laborparameter fehlen, wird oft jeder Husten bei Infekten der oberen Luftwege, allergischen Syndromen oder sogar eine Sinusitis als Bronchitis bezeichnet.
In einer Studie konnte belegt werden, dass
Patienten mit
akuter Bronchitis eine auf das 6,5-fach erhöhte Prävalenz von Asthma
bronchiale in ihrer Vorgeschichte aufwiesen und ein 9-fach
erhöhtes Risiko hatten, in der Folge die Diagnose eines Asthma
bronchiale gestellt zu bekommen. Das ist ein Hinweis auf eine beiden
Krankheitsbildern zugrundeliegende bronchiale
Hyperreagibilität.
Eventuell spielt eine
unbehandelte Chlamydieninfektion
der Luftwege eine wichtige Rolle für den Wandel einer akuten Bronchitis
in ein Asthma bronchiale.
Die Datenlage, in wieviel Prozent der Fälle eine Virus-, Bakterien- oder Pilzinfektion der Bronchien vorliegt oder auch nicht infektiöse Ursachen anzuschuldigen sind, ist dürftig, insbesondere wenn man die Häufigkeit und die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Krankheit betrachtet.
Die Codierung der Krankheiten im deutschen Gesundheitswesen im DRG-System unterscheidet mehrere verschiedene erregerbezogene Formen der akuten Bronchitis. Auch wird die Diagnose mit Keimnachweis besser vergütet. Es wäre also zu erwarten, dass sich zunehmend bessere Aussagen über die einzelnen Erreger der akuten Bronchitis machen lassen. Leider werden die Daten hierzu noch kaum veröffentlicht und kritisch gesichtet.
Husten und obstruktive Symptome wie der oft vorhandene Stridor werden durch die Entzündung der Bronchialschleimhaut - mit dadurch bedingter Schwellung und Schleimproduktion - verursacht.
Der Husten ist zunächst meistens trocken, da die Schwellung der Schleimhäute aufgrund der infektbedingten gesteigerten Durchblutung (lat.: Hyperämie) der Produktion von Schleim vorangeht, mit dessen Bildung wird der Husten "produktiv". Der Auswurf - in der medizinischen Fachsprache als Sputum bezeichnet - ist zäh- oder dünnflüssig, bei viraler Entzündung klar bis gräulich, oft aber auch - wie bei einer bakteriellen Entzündung - gelb-grün gefärbt.
Bei der spastischen Bronchitis kann die krampfende Muskelkontraktion der Bronchien röchelnde und pfeifende Atemgeräusche verursachen und das Abhusten erschweren.
Die mittels Spirometrie beurteilte Lungenfunktion zeigt bei ca. 60% der Patienten ähnliche Werte wie bei einem milden Asthma bronchiale. Da sich dieses bei wiederkehrenden akuten Bronchitiden, die durch Chlamydien hervorgerufen wurden, möglicherweise entwickeln kann, sollten sich Patienten nach Abklingen der akuten Symptomatik einer Kontrolle unterziehen.
Die körperliche Untersuchung kann wohl die Verlegung der Atemwege bestätigen, wichtiger ist jedoch die Anamnese: oft ist ein nächtlicher Husten das alleinige Symptom einer akuten Bronchitis. Routinemäßig durchgeführte Untersuchungen des Sputums bringen entweder keine Ergebnisse oder sind nicht kosteneffektiv. In den 25% der Fälle, die an einem länger als vier Wochen anhaltenden Husten leiden, sollte jedoch eine Keuchhustenserologie veranlasst werden. Auch ist die Milz in den meisten Fällen um einiges vergrößert. Dies lässt sich mit einer Ultraschalluntersuchung leicht herausfinden.
Der Patient, der schon einmal ein Antibiotikum bei einer banalen Infektion der Luftwege erhalten hat, wird aufgrund der baldigen Besserung der Beschwerden bei einer nächsten ähnlichen Episode wieder ein Antibiotikum von seinem Arzt verlangen. Der Arzt selbst wird es im Zweifelsfall verordnen, denn die Erwartungshaltung seitens der Patienten ist groß. Für die Wirksamkeit von Antibiotika bei der akuten Bronchitis gibt es jedoch wenig Anhaltspunkte. Sogar bei nachgewiesener Infektion mit Mykoplasmen (z. B. M. pneumoniae) gibt es wenig gesicherte Daten, die den Nutzen einer Antibiotikagabe belegen. Die Gabe des richtigen Antibiotikums zur richtigen Zeit erfordert hier wie bei anderen Erkrankungen ärztliche Kunstfertigkeit.
Die Gabe eines den Hustenreiz stillenden Mittels kann kontraproduktiv sein, da das produzierte Sputum abgehustet werden sollte. Bei Klagen über eine gestörte Nachtruhe muss an eine Refluxösophagitis oder eine Herzinsuffizienz gedacht werden, die beide im Liegen deutlich vermehrt Symptome verursachen können. Ansonsten liegen kaum Daten über den sinnvollen Einsatz von den Hustenreiz stillenden oder das Abhusten erleichternden Mittel (Expektorantien) vor.
Die Studien, die den Nutzen von das Bronchialsystem erweiternden Substanzen (Bronchodilatatoren) belegten, waren fast alle klein. Eine mittelgroße Studie konnte keinen Nachweis für deren Wirksamkeit erbringen. Für Säuglinge und Kleinkinder mit spastischer Bronchitis steht die Erleichterung der Atmung im Vordergrund.
Es gibt eine Reihe von nicht medikamentösen Maßnahmen, die ein Patient mit akuter Bronchitis als angenehm empfindet und die wahrscheinlich hilfreich sind. Bei der guten Spontanheilungsrate ist allerdings ein Wirkungsnachweis nur schwer zu führen. Brauchbare Aussagen erhält man von Patienten, die rezidivierend immer wieder unter einer akuten Bronchitis zu leiden haben. Nach dem Ausprobieren der verschiedensten Maßnahmen bleiben meistens drei oder vier Maßnahmen übrig, die diese Patienten als wirksam erachten:
Da eine Entzündung der Bronchien vorliegt, wird kühle, feuchte und frische Luft als lindernd empfunden. Meistens schläft der Patient mit immer wieder auftretender Bronchitis warm eingepackt bei offenem Fenster, es sei denn es herrscht sehr kalte trockene Winterluft unter −10 Grad Celsius. Trockene, warme Luft wird als unangenehm betrachtet und gemieden. Die Empfindlichkeit gegenüber Luftschadstoffen wie beispielsweise Zigarettenrauch ist erhöht.
Kurzfristig Kaltwasseranwendungen wie Arm-, Bein- oder Oberkörpergüsse führen zu einer Aktivierung des Sympathikus, damit zu einer Weitstellung der Bronchien und Nasenhöhlen und werden meistens als angenehm und krankheitsverkürzend empfunden.
Im Rahmen der akuten Bronchitis herrscht ein ziemliches Durcheinander der Temperaturregulation im Körper. Man kann gleichzeitig an den Füßen frieren und am Kopf schwitzen. Die Schwitzneigung ist generell verstärkt. Bereits bei geringer Anstrengung kommt man vermehrt ins Schwitzen, um kurz danach wieder zu frieren, da man mit verschwitzter Kleidung schnell friert. So muss man ständig in Sachen Temperaturregulation nachhelfen: Ist der Körper verschwitzt, sollte man ihn kalt abwaschen und wieder trockene Kleidung anziehen. Friert man, dann sollte man sich warm anziehen und sich bewegen, um die Körpertemperatur wieder anzuheben..
Da man bei leichter Körperaktivität die Bronchien erweitert und besser abhustet, ist ein gemütlicher Spaziergang im Wald 2-3 mal täglich von etwa 30 - 60 Minuten Dauer wahrscheinlich besser als eine dauernde Bettruhe. Allerdings sollte dazu kein hohes Fieber vorliegen und der Kreislauf sollte nicht kollaptisch sein.
Da bei der akuten Bronchitis meistens auch der Rachen mit entzündet ist, werden flüssige Nahrungsmittel wie Wasser und Milch, Apfelbrei und Joghurt als angenehm, hingegen bröselige trockene Nahrungsmittel als unangenehm empfunden. Jede Aspiration von Nahrungsmittel in die Luftwege löst einen sehr unangenehmen Hustenanfall aus und sollte vermieden werden.
Die akute Bronchitis heilt meistens ohne Behandlung nach mehreren Tagen oder manchmal Wochen ohne Komplikationen ab. Die Symptome halten meistens für nicht länger als 10 Tage an. In seltenen Fällen kann der Husten mehrere Monate bestehen, wobei dann an einen Keuchhusten, ein Asthma bronchiale oder cardiale, eine Tumorbildung oder eine chronische Pneumonie gedacht werden sollte.
Die oben aufgelisteten nichtmedikamentösen Maßnahmen der Bronchitisbehandlungen sind wahrscheinlich auch vorbeugend wirksam. Jedenfalls berichten Patienten, die zu immer wiederkehrenden Schüben von akuter Bronchitis neigen, über eine Reduzierung der Zahl und der Schwere der Schübe unter diesen Maßnahmen.
Die Gabe von Echinacea und anderer vermeintlicher Immunstimulantien erfolgt bislang ohne nachgewiesene Wirkung.
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